Impfungen gegen COVID-19 und Influenza: Warum Wissen und Beratung entscheidend sind
- Thomas Steffen

- 17. Mai
- 3 Min. Lesezeit

Gemeinsam mit Co-Autor:innen durfte ich kürzlich einen Artikel in der Fachzeitschrift PRAXIS veröffentlichen. Im Zentrum stand eine einfache, aber wichtige Frage: Wie nehmen ältere Menschen und Gesundheitsfachpersonen in der Schweiz Impfungen gegen COVID-19 und Influenza wahr?
Die Ergebnisse sind aus Public-Health-Sicht relevant – und sie zeigen, dass es weiterhin deutliche Lücken bei Risikowahrnehmung, Wissen und Impfbereitschaft gibt.
Viele Menschen unterschätzen das Risiko
In der Befragung wurden 601 Personen ab 65 Jahren sowie 130 Gesundheitsfachpersonen befragt. Gerade Menschen ab 65 Jahren gehören zu den Gruppen, für die virale Atemwegsinfektionen wie Influenza und COVID-19 ein erhöhtes Risiko darstellen können.
Trotzdem zeigte sich: Viele ältere Menschen unterschätzen das Risiko für ihre eigene Gesundheit. Mehr als die Hälfte der Befragten schätzte das Risiko durch COVID-19 oder Influenza als niedrig oder sehr niedrig ein. Gleichzeitig wussten 62% der Personen ab 65 Jahren nicht, dass für sie eine jährliche COVID-19-Impfung empfohlen ist. Bei der Influenza-Impfung waren 43% nicht über die Empfehlung informiert.
Diese Zahlen sind bemerkenswert. Denn Impfungen können dazu beitragen, schwere Krankheitsverläufe, Hospitalisationen und zusätzliche Belastungen des Gesundheitswesens zu reduzieren – gerade in der Wintersaison.
Impfbereitschaft bleibt tief
Auch bei der Impfbereitschaft zeigte sich ein zurückhaltendes Bild. Nur 20% der befragten Personen ab 65 Jahren planten, sich gegen COVID-19 impfen zu lassen. Bei der Influenza-Impfung waren es 37%.
Als wichtigste Barriere wurde nicht in erster Linie fehlender Zugang genannt, sondern das Gefühl, keine weitere COVID-19-Impfung zu benötigen. Auch die Annahme, durch natürliche Immunität ausreichend geschützt zu sein, spielte eine wichtige Rolle.
Das zeigt: Es reicht nicht, Impfungen verfügbar zu machen. Es braucht auch permanente, verständliche Information, eine realistische Risikoeinschätzung und Gespräche, die auf die Fragen und Bedenken der Menschen eingehen.
Die zentrale Rolle der Gesundheitsfachpersonen
Besonders deutlich wurde in der Studie, wie wichtig die Empfehlung durch Gesundheitsfachpersonen ist. Für 36% der Befragten war eine Empfehlung von Gesundheitsfachpersonen oder medizinischen Expert:innen der wichtigste Motivator für eine COVID-19-Impfung. Bei der Influenza-Impfung waren es 39%.
Das ist eine zentrale Botschaft: Hausärzt:innen, Apotheker:innen und weitere Gesundheitsfachpersonen können einen wichtigen Beitrag leisten – nicht durch Druck, sondern durch gute Beratung, aktives Ansprechen und verständliche Einordnung des individuellen Risikos.
Gleichzeitig berichtete nur ein Teil der Befragten, regelmässig eine Empfehlung zu jährlichen Impfungen erhalten zu haben. Hier besteht ein praktischer Ansatzpunkt: Impffragen sollten bei älteren Menschen und Risikogruppen in der Versorgung systematischer angesprochen werden.
Was bedeutet das für Public Health?
Aus Public-Health-Sicht ergeben sich mehrere Schlussfolgerungen:
Erstens braucht es eine klare, verständliche und wiederkehrende Kommunikation zu Impfempfehlungen – insbesondere für Menschen mit erhöhtem Risiko damit in der Schweiz die "Impfkultur" nachhaltige gestärkt wird.
Zweitens sollten Gesundheitsfachpersonen in ihrer Beratungsrolle gestärkt werden. Ihre Empfehlung ist einer der wichtigsten Hebel, um informierte Entscheidungen zu ermöglichen.
Drittens sollten Impfungen nicht isoliert betrachtet werden, sondern als Teil einer breiteren Strategie zum Schutz vor Krankheitsrisiken: Dazu gehören Risikokommunikation, Gesundheitskompetenz, niederschwelliger Zugang und eine gute Einbettung in die Grundversorgung.
Fazit
Der Artikel zeigt: Die Herausforderung liegt nicht nur in der Verfügbarkeit von Impfstoffen. Entscheidend ist, ob Menschen ihr persönliches Risiko realistisch einschätzen, die Empfehlungen kennen und eine vertrauenswürdige Beratung erhalten.
Gerade mit Blick auf die kommenden Wintersaisons bleibt dies eine wichtige Aufgabe für Public Health, Grundversorgung und Gesundheitskommunikation.
Der Artikel ist Open Access unter CC BY 4.0 verfügbar.
Artikel: Vaccination against Covid-19 and Influenza in Switzerland: Perceptions and Attitudes, erschienen in PRAXIS 2026.



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