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Impfen wirkt. Prävention lohnt sich.



Das Bild zu diesem Beitrag stammt aus dem Jahr 2008. Damals habe ich im Kanton Basel-Stadt zusammen mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Kantonen die Einführung des HPV-Impfprogramms mitorganisiert. Die Botschaft der damaligen Informationskampagne war klar: «Schütze dich vor Gebärmutterhalskrebs.»


Heute, 18 Jahre später, können wir zunehmend beurteilen, was solche Präventionsprogramme bewirken.


Eindrückliche Daten aus England


Eine 2026 in The Lancet publizierte bevölkerungsbasierte Studie untersuchte die Entwicklung der Sterblichkeit durch Gebärmutterhalskrebs in England von 2001 bis 2024.

Das bemerkenswerteste Ergebnis: Bei den 20- bis 24-jährigen Frauen wurde zwischen 2020 und 2024 kein einziger Todesfall durch Gebärmutterhalskrebs registriert. Aufgrund der früheren Sterblichkeitsraten wären in dieser Altersgruppe rund 23 Todesfälle zu erwarten gewesen.

Auch in weiteren jungen Altersgruppen ging die Sterblichkeit deutlich zurück. Insgesamt schätzen die Forschenden, dass bis Ende 2024 rund 200 Todesfälle weniger auftraten, als ohne HPV-Impfung zu erwarten gewesen wären.

England hatte die routinemässige HPV-Impfung für 12- bis 13-jährige Mädchen – wie die Schweiz – 2008 eingeführt. Das Programm erreichte früh sehr hohe Impfquoten.

Die Studie ist eine populationsbezogene Beobachtungsanalyse. Sie kann deshalb für sich allein keinen experimentellen Kausalitätsnachweis erbringen. Zusammen mit der bereits umfangreichen Evidenz zur Wirkung der HPV-Impfung auf HPV-Infektionen, Krebsvorstufen und invasive Karzinome ergibt sich jedoch ein sehr überzeugendes Gesamtbild.


Wo steht die Schweiz?


Auch in der Schweiz wurde die HPV-Impfung ab 2008 im Rahmen kantonaler Programme umgesetzt. Die Ausgangslage unterschied sich allerdings von England: Die Umsetzung war kantonal unterschiedlich, und die Impfquoten stiegen langsamer und weniger einheitlich an.

Hinzu kommt unsere wesentlich kleinere Bevölkerung. Entsprechend braucht es in der Schweiz grössere Zeiträume, um Veränderungen der Mortalität statistisch zuverlässig erfassen zu können.

Eine mit England vergleichbare nationale Analyse der Krebssterblichkeit nach Einführung des HPV-Impfprogramms liegt deshalb bisher nicht vor.

Die Entwicklung der Impfquoten ist dennoch erfreulich. In der schweizweiten Erhebungsperiode 2020–2022 hatten 71 Prozent der 16-jährigen Mädchen zwei HPV-Impfdosen erhalten. Gleichzeitig bestanden weiterhin grosse Unterschiede zwischen den Kantonen.

BAG und EKIF haben das Schweizer Durchimpfungsziel inzwischen auf 90 Prozent angehoben. Damit orientiert sich die Schweiz auch am internationalen Ziel, Gebärmutterhalskrebs langfristig als Problem der öffentlichen Gesundheit zu eliminieren.


Eine Frage der Impfkultur


Die HPV-Impfung zeigt exemplarisch, weshalb wir die Impfkultur in der Schweiz weiterentwickeln sollten.

Entscheidend ist nicht nur, welche Impfungen empfohlen werden. Entscheidend ist auch, wie einfach sie zugänglich sind, wie konsequent sie angeboten werden und wie verständlich über Nutzen und Risiken informiert wird.

Hohe Impfquoten entstehen nicht von selbst. Sie sind auch das Ergebnis guter Strukturen: niederschwellige Angebote, schulbasierte Programme, engagierte Gesundheitsfachpersonen und verlässliche Information.

Wenn ich heute die Kampagne von 2008 betrachte, ist sie für mich deshalb mehr als eine Erinnerung an ein früheres Projekt. Sie zeigt, was Public Health im besten Fall leisten kann: wissenschaftliche Erkenntnisse in konkrete Prävention übersetzen – und damit Gesundheit langfristig verbessern.


Impfen wirkt. Prävention lohnt sich.



Quelle:


Sasieni P, Falcaro M. Cervical cancer mortality trends following HPV vaccination in England, 2001–24: an analysis of population-based mortality data. Lancet. 2026;408(10550):162–168. doi:10.1016/S0140-6736(26)00918-9.


Bundesamt für Gesundheit. Durchimpfung von 2-, 8- und 16-jährigen Kindern und Jugendlichen in der Schweiz, 2020–2022. Bull BAG. 2024;13:8–14.


Eidgenössische Kommission für Impffragen, Bundesamt für Gesundheit. Stellungnahme von EKIF und BAG zur HPV-Impfung. Bull BAG. 2025;22:10–12.


World Health Organization. Global strategy to accelerate the elimination of cervical cancer as a public health problem. Geneva: World Health Organization; 2020.

 
 
 

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