Hat die Tigermücke eigentlich schon einmal etwas vom Föderalismus gehört? 🦟

Vermutlich nicht. Genauso wenig wie die bald wieder kommenden Grippeviren. Beide halten sich jedenfalls herzlich wenig an unsere Kantonsgrenzen.
Der neue Bericht des Bundesrates zur Ausbreitung der Tigermücke in der Schweiz liefert interessante Zahlen. Die SDA fasst sie wie folgt zusammen:
In drei Kantonen (Genf, Basel-Stadt und Tessin) ist die Tigermücke grossflächig etabliert. In sieben weiteren Kantonen haben sich regionale Populationen gebildet, zehn Kantone verzeichnen bisher nur vereinzelte Nachweise und in sechs Kantonen wurde sie bislang nicht nachgewiesen.
So weit, so schweizerisch. 26 Kantone, vier Kategorien. 😉
Doch genau hier beginnt mein Nachdenken über einen typisch schweizerischen Reflex: Wir betrachten gesundheitliche Probleme gerne zuerst durch die kantonale Brille.
Das ist für Zuständigkeiten, Ressourcen und Massnahmen durchaus sinnvoll. Epidemiologisch kann diese Perspektive allerdings in die Irre führen. Denn die Ausbreitung der Tigermücke orientiert sich an klimatischen Bedingungen, Siedlungsräumen und Verkehrswegen – nicht an Kantonsgrenzen.
Hinzu kommt: Wo intensiver gesucht und die Bevölkerung stärker zum Melden aufgefordert wird, wird möglicherweise auch mehr gefunden. Der Bundesratsbericht beschreibt diesen Meldebias am Beispiel des Tessins sogar ausdrücklich.
Vielleicht sollten wir deshalb konsequenter zwischen drei unterschiedlichen Räumen unterscheiden:
🔬 Epidemiologischer Raum: Wo und wie breitet sich ein Gesundheitsproblem tatsächlich aus?
🛠️ Interventionsraum: Wo sind gemeinsame Massnahmen sinnvoll und notwendig?
🏛️ Administrativer Raum: Wer ist zuständig, entscheidet und finanziert?
Diese drei Räume sind nicht automatisch deckungsgleich.
Der Bundesratsbericht enthält bereits gute Ansätze, etwa die überkantonale Zusammenarbeit und die Betrachtung grenzüberschreitender Ausbreitungsgebiete. Aus meiner Sicht sollten wir diesen Gedanken noch konsequenter verfolgen. Nicht nur bei der Tigermücke.
Denn die Natur orientiert sich nicht an unseren Organigrammen. Und unsere Analysen sollten sich auch nicht primär daran orientieren.
Föderalismus ist eine Organisationsform. Keine epidemiologische Theorie. 😉
📰 SDA/Watson:https://www.watson.ch/schweiz/gesundheit/507659527-bundesrat-sieht-schweiz-gegen-tigermuecke-gewappnet
Quelle: Bundesrat, 25. September 2026, Bericht zum Postulat 22.4018 Wyss.
Bild: James Gathany / CDC, Public Health Image Library (#2165), Public Domain.




Kommentare