Es ist so eine Sache mit den Lebensübergängen...

An bestimmte Ereignisse erinnern wir uns ein Leben lang. Ein Teil davon ist voraussehbar: Der erste Schultag, der Antritt einer neuen Stelle, die Geburt der eigenen Kinder oder die Pensionierung.

Andere lebensgeschichtliche Übergänge treffen uns scheinbar völlig unvorbereitet, sei es beispielsweise eine schwere Krankheit, grössere Veränderungen am Arbeitsplatz und sogar globale Krisen wie jüngst die Corona Pandemie. Im Lauf unseres Lebens begegnen wir zahlreichen erwarteten und unerwarteten Lebensübergängen.


Das Leben selbst ist vielleicht gar eine Kette von solchen Übergängen, die über längere Zeit hinweg ineinander greifen. Jeder dieser Lebensübergänge ist mit einem mehr oder weniger starken Veränderungsprozess verbunden. Nicht selten stellen diese Lebenspunkte eine krisenanfällige Zeit dar, in der auch Belastungen, Überforderungen und psychische und körperliche Erkrankungen auftreten können.


Es liegt in der Natur der Sache, dass Lebensübergänge mit Unsicherheiten verbunden sind. Oft zwingen uns Lebensübergänge, gewohnte Pfade zu verlassen und Schritte nach vorne ins Unbekannte zu wagen. So kann der neue Hafen nur erreicht werden, wenn der alte verlassen wird. Gelingt der Übergang, bieten sich aber häufig Chancen für neue, lebendige Entwicklungen und es zeigen sich bisher ungenützte Möglichkeiten. Umgekehrt, wenn Menschen nicht loslassen können und versuchen, mit aller Kraft den alten Zustand aufrecht zu erhalten, dann überfordern sie sich und resignieren im weiteren Verlauf, da sich der Fortlauf der Zeit nie aufhalten lässt.


Doch gerade bei schwierigen, einschneidenden Lebensveränderungen hilft der Hinweis, dass bessere Zeiten kommen, oft im Moment wenig. Dank der uns ureigenen Resilienz ist der Mensch aber in der Lage, auch diese schweren Phasen gut zu überstehen. Mit Resilienz ist eine seelisch-emotionale Widerstandskraft gemeint, die uns hilft, Krisen gut zu über-stehen. Aus der heutigen Forschung weiss man, dass diese innere Widerstandskraft gezielt gefördert werden kann, um auf schwierige Zeiten besser vorbereitet zu sein. So sind beispielsweise Menschen, welche sich bewusst mit den Herausforderungen von Lebensübergängen auseinandersetzen, besser gegen daraus resultierende Lebenskrisen geschützt. Das intensive Erleben der Umwelt, beispielsweise in der Natur, das Finden des eigenen Lebenssinns sowie Familie, Freundeskreis und Hobbies helfen, die eigene, seelisch emotionale Widerstandskraft gegen Krisen und Schicksalsschläge zu stärken. Bei voraussehbaren Lebensveränderungen hilft der bewusste Umgang mit der kommenden Veränderung. Bei erzwungenen, plötzlichen Lebensübergängen beispielsweise bei Todesfällen und Trennung helfen oft Rituale, um einen Umgang mit dem schweren, gegebenenfalls nicht erwarteten Ereignis zu finden und davon ausgehend auch neue Wege zu sehen. So ist beispielsweise das Trauerritual um einen Verstorbenen ein wichtiger Schritt in allen Kulturen, welche vom gemeinsamen Abschied auch wieder zum Leben führt.

Auf diese Weise können kleinere und grössere Lebensübergänge, trotz ihrer möglichen krisenhaften Belastung, auch Raum zum Wachsen und Weiterentwickeln der eigenen Persönlichkeit geben.


Weiterführende Literatur für Interessierte:

Verena Kast: Lebenskrisen werden Lebenschancen. Herder Verlag, 2014

Jens Förster: Der kleine Krisenkiller. Knaur, 2017



(Dieser Text erschien erstmals in der Mitarbeiterzeitung des Kantons BSintern September 2017 / Version leicht angepasst).


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